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Ein Atlas, der seine eigenen Voraussetzungen sichtbar macht

Visualising Conflict/Peace ist ein Atlas, der verschiedene Perspektiven auf Konflikt und Kooperation in Osteuropa versammelt und gegenüberstellt. Hinter dem Projekt steht das VisLab des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig. Es entsteht im Rahmen des Forschungsnetzwerks KonKoop und bringt Forschende, Kartograf:innen, Künstler:innen und Feldexpert:innen zusammen.

PROGRESSIVE digital hat die Web-Entwicklung und die UX/UI-Beratung des Projekts übernommen. Die Zusammenarbeit mit dem VisLab-Team verlief eng und iterativ. Anfang 2026 ging der Atlas mit neun publizierten Cases online. Er ist als Forschungsinfrastruktur angelegt, die mit dem Netzwerk wächst.
Der Atlas unterscheidet sich von klassischen wissenschaftlichen Publikationsplattformen durch eine Grundentscheidung. Karten und Visualisierungen werden hier nicht als fertige Wahrheiten über einen Konflikt präsentiert. Sie sind Artefakte, mit eigenen Entstehungsgeschichten, Annahmen und Perspektiven. Diese Entscheidung hatte Folgen für fast alle Bereiche der Plattform: das Content-Modell, die Editor-Integration, die Leseerfahrung.

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Custom Modules

Textdokument

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Cases zum Launch

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Taxonomie-Dimensionen

Warum ein bestehendes Format nicht gereicht hätte

Die Arbeit an dem Atlas begann mit einer Beobachtung: In der Friedens- und Konfliktforschung fehlte ein Publikationsformat, das komplexe geografische Narrative hosten konnte, ohne sie zu vereinfachen. Drei Anforderungen prägten das Projekt von Anfang an:

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Reflexivität

Jeder Case zeigt eine Visualisierung. Sichtbar werden soll aber auch, was dahintersteckt: Datenquellen, Entscheidungen, Unschärfen, Blickwinkel. Das ist Teil des Leseflusses, kein angehängter Methodenteil.

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Formale Bandbreite

Die Cases verbinden sehr unterschiedliche Formate. Statische und interaktive Karten, 3D-Geländevisualisierungen, Scrollytelling-Sequenzen, Fotos, essayistische Texte. Manchmal alles davon in einem einzigen Beitrag. Ohne individuelle Entwicklung pro Case.

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Wachstum

Der Atlas ist keine abgeschlossene Publikation. Er ist eine Infrastruktur, die das Redaktionsteam eigenständig pflegt, erweitert und überarbeitet.

Interaktive Karten, die zum Text gehören

Karten stehen im Zentrum jedes Cases. Nicht als Illustration — als Argumentationselement. PROGRESSIVE digital implementierte dafür zwei Technologien auf Basis von Drupal 11:

Icon Compass

Leaflet + Geofield

Klassische interaktive 2D-Karten. Redakteur:innen pflegen Geodaten direkt im Backend ein — Koordinaten, GeoJSON-Layer, thematische Markierungen. Die Karten werden im Browser gerendert und lassen sich in jeden Case einbetten. Kein Entwicklungsaufwand pro Beitrag.

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Mapbox GL JS

Dreidimensionale Darstellungen für topografische Visualisierungen, Geländemodelle und räumliche Zusammenhänge, die in 2D nicht funktionieren. Sinnvoll vor allem für Cases zu physischer Geografie, Sichtbarkeitsanalysen oder grenzüberschreitenden Landschaften.

Scrollytelling als Erkenntnisform

Manche Cases lassen sich nicht statisch erzählen. Sie beschreiben einen Prozess: eine zeitliche Entwicklung, einen Perspektivwechsel, das schrittweise Sichtbarwerden einer Datenschicht. Für solche Cases wurde ein Scrollytelling-System entwickelt.

Technische Details

Wie es funktioniert

Beim Scrollen durch den Text reagiert die begleitende Karte oder Grafik auf den jeweils aktuellen Abschnitt. Sie zoomt in einen Bereich hinein, wechselt zwischen Layern, blendet Datenschichten ein oder aus, verschiebt den Kartenausschnitt. Was der Text beschreibt, macht die Visualisierung gleichzeitig sichtbar. Beides läuft synchron.
Die Sequenzen sind außerdem barrierefrei und textbasiert nachvollziehbar. Wer ohne Maus oder ohne JavaScript liest, bekommt denselben inhaltlichen Verlauf — die Abfolge der Argumente, die Entwicklung der Perspektive. Nur die Lesart ist eine andere.

Entwicklung und Integration

Technische Umsetzung

Umgesetzt wurde das über modulare Scrollytelling-Komponenten auf Basis von Scrollama und GSAP:

  • Wiederverwendbare Drupal-Komponenten für verschiedene Scrollytelling-Typen
  • Konfigurierbar durch das Redaktionsteam ohne Entwicklereingriff
  • Performance-optimiert für flüssige Animationen auch bei komplexen Karten
  • Accessibility-First: Funktioniert auch ohne JavaScript vollständig

Die reflexive Ebene – das Herzstück des Atlas

Jeder Case enthält eine eingebettete Reflexionsschicht. Das sind Kommentare, die offenlegen, wie eine Visualisierung entstanden ist. Sie benennen, welche Daten verwendet wurden und welche nicht. Sie zeigen, wo Grenzziehungen umstritten sind und welche Perspektiven die kartografischen Entscheidungen geprägt haben.

Redakteur

Redaktioneller Workflow

Technisch wurde diese Ebene über eine eigenentwickelte Erweiterung des CKEditor-Tooltips-Moduls realisiert. Redakteur:innen markieren dafür eine Textstelle im Editor und ordnen ihr einen Reflexionskommentar oder einen längeren Dialog zu. Das Ergebnis lässt sich direkt im Vorschau-Modus prüfen.
Das war eine der komplexesten Anforderungen des Projekts. Die Reflexionsebene sollte sich in den bestehenden Redaktions-Workflow einfügen. Mehr Aufwand für das Team sollte sie nicht bedeuten.

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Frontend-Darstellung

Im Frontend erscheinen diese Reflexionen als zurückhaltende typografische Hervorhebungen. Einzelne Begriffe bekommen ein Hover-Highlight; ein Reflection-Button öffnet ein vollständiges Dialogfenster. Die Eingriffe in den Lesefluss sind minimal, die Einladung zur Interaktion trotzdem wahrnehmbar.
Die Designfrage war schwieriger als gedacht. Wie viel Reflexion verträgt eine digitale Oberfläche, ohne in akademischen Jargon oder visuelles Rauschen zu kippen? Die Antwort entstand in mehreren Designzyklen mit dem VisLab-Team.

Drei Dimensionen der Filterung

Zum Launch enthält der Atlas neun Cases. Es werden mehr. Für die Navigation in einem wachsenden Korpus wurde ein Filtersystem entwickelt, das auf drei unabhängigen Taxonomien operiert.

Filter Icon

Kombinatorische Suche

Zum Launch enthält der Atlas neun Cases. Es werden mehr. Damit Leser:innen sich orientieren können, wurde ein Filtersystem entwickelt, das auf drei Taxonomien operiert:

  • Methoden und visuelle Ansätze — Counter-Mapping, Umgang mit Unschärfe, Visual Testimonies
  • Thematische Schwerpunkte — Grenzen, Hydropolitik, Erinnerungskultur
  • Regionen und Länder — Westbalkan, Südkaukasus, Zentralasien

Wer alle drei kombiniert, kann sehr gezielt suchen, etwa nach allen Cases zu Counter-Mapping und Grenzen im Südkaukasus.

Entwicklung und Integration

Technische Basis

Umgesetzt auf Basis von:

  • Search API für die Suchinfrastruktur
  • Facets für die Filter-UI
  • Views Ajax History für funktionierende Browser-Navigation

Die Faceted Search zeigt in Echtzeit, wie viele Cases zu einer Kombination existieren — ein entscheidender UX-Aspekt für explorative Recherche.

Redaktionelle Autonomie und Barrierefreiheit

Das VisLab-Team soll neue Cases, Taxonomiebegriffe, Autor:innen und Visualisierungen eigenständig pflegen können. Dauernde Abhängigkeit von Entwickler:innen war keine Option. Das gesamte System ist darauf ausgelegt.

Barrierefreiheit

Barrierefreiheit im Redaktionsprozess

Editoria11y läuft direkt im Drupal-Backend und weist Redakteur:innen schon beim Erstellen auf Unzulänglichkeiten hin:

  • Automatische Prüfung von Kontrasten und Alt-Texten
  • Kontrolle der Überschriftenhierarchien
  • Validierung semantischer HTML-Strukturen
  • Verbesserungsvorschläge vor der Veröffentlichung
Technische Details

Datenschutz und Mehrsprachigkeit

Matomo sorgt für datenschutzkonforme Nutzungsanalyse — alle Daten bleiben auf der Infrastruktur des Instituts. Das COOKiES-Modul stellt DSGVO-konformes Cookie-Management bereit.

Für die internationale Ausrichtung sorgen TMGMT und die TMGMT-DeepL-Integration, die maschinelle Übersetzungen direkt in den redaktionellen Workflow einbinden.

Was den Atlas besonders macht

Modell für digitales Publizieren in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Visualising Conflict/Peace sitzt zwischen akademischer Forschung, kritischer Kartografie und digitalem Publizieren. Das ist eine ungewöhnliche Kombination. Er funktioniert als Infrastruktur, die mit dem Netzwerk wächst. Eine abgeschlossene Forschungswebsite ist er nicht.
Der reflexive Anspruch hatte direkte Konsequenzen für die Gestaltung. Wie viele Informationsebenen verträgt eine Oberfläche, bevor sie überwältigt? Diese Frage zog sich durch alle UX-Entscheidungen.

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Technische Grundlage

Aufbauend auf über 110 Contrib-Modulen und mehreren Frontend-Bibliotheken erreicht die Plattform ein Maß an redaktioneller Flexibilität und visueller Differenziertheit, das Standards setzt

  • Leaflet, Mapbox GL JS für Kartografie
  • Scrollama, GSAP für Scrollytelling
  • Search API, Facets für Navigation
  • 6 eigenentwickelte Custom Modules für projektspezifische Features
Barrierefreiheit bringt bessere Performance

Live-Umfang zum Launch

Zum Launch umfasste die Plattform neun veröffentlichte Cases aus Regionen wie:

  • Ukraine, Bosnien-Herzegowina, Georgien
  • Abchasien, Transnistrien
  • Serbien, Kroatien, Fergana-Tal

Kontinuierlich erweiterbar durch das Redaktionsteam — ohne Entwicklereingriff.

Unsere Lösung

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Unsere Leistungen

Design
Design System
Drupal-Entwicklung
Qualitätssicherung
Technische Architektur
User Experience

Eingesetzte Technologien

Drupal
PROGRESSIVE Drupal

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